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Brasilien von Sonja Bogner
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Erfahrungsberichte



Unter Brasilien finden Sie noch weitere Texte und Infos zu Stadt, Menschen und Tiere, Brasilianische Küche - und natürlich der Samba ;)

Nicht nur die Sprache Brasiliens ist was ganz besonderes, auch die Brasilianische Küche ist unglaublich schmackhaft. Schauen Sie sich die Vielfalt der Speisen und Getränke mal an.


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Reiseberichte - Brasilien von Sonîa Bogner

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Brasilien - das ist mein Land. Dort bin ich zu Hause.
Obwohl ich jetzt schon seit 31 Jahren in Europa lebe, sind meine Wurzeln noch immer in Südamerika. Besser gesagt in Rio. Rio de Janeiro, das ist meine Heimat. Die Stadt unter dem Zuckerhut ist die drittgrößte Metropole der Welt. Knapp zehn Millionen Menschen leben dort. Wahnsinn! Rio ist ein Feuerwerk. Wenn ich noch im Flugzeug sitze, sehe ich schon die Strände - Copacabana, Ipanema, Leblon, 20 Kilometer feinster, weißer Sand, 35 Grad Hitze.

Erst einmal empfängt mich die hohe Luftfeuchtigkeit. In Sekunden locken sich meine Haare, und mein Gesicht wird so glatt wie von keinem Peeling der Welt. Es duftet nach schwarzem Kaffee, nach Papayas, Ananas, Bananen. Und dann die Menschen, die in Rio geboren wurden, die Cariocas: Sie sind so warm, so herzlich wie an keinem anderen Platz dieser Welt. "Oi, bom dia" klingt es in meinen Ohren. Den Buchstaben "i" lieben die Brasilianer, weil er eine Verniedlichung bedeutet. Den können sie so lang ziehen wie einen Kaugummi. Hier rufen sie mich deswegen auch "Soninha". Musik tönt aus jeder Ecke. Hier bin ich nicht Sonîa Bogner, sondern "Samba Bogner". Wenn ich diese Rhythmen höre, könnte ich sofort anfangen zu tanzen.

Einmal im Jahr fahre ich nach Brasilien, für drei Wochen. Nicht öfter, denn der Abschied fällt mir jedes Mal schwer. Ich miete mir ein Auto und fahre nach Barra zu einer meiner zwei Schwestern, die noch in Brasilien leben. Wenn ich nicht im Kessel Rio stecken bleibe, brauche ich nur etwa eine halbe Stunde. Barra ist ein Stadtteil von Rio - wegen der vielen Hochhäuser nennt man ihn auch das Miami von Rio. Etwas weiter weg, im Norden, liegt Bahia. Hier spürt man noch die portugiesische Kolonialmacht. Es gibt viele Barockkirchen, alte Festungen und Gutshöfe. Die Bahianos sind unmittelbare Nachkommen der afrikanischen Sklaven. Sie sind berühmt für ihren Kampftanz Capoeira, den sie einst als Waffe gegen ihre Unterdrücker entwickelt hatten. Begleitet von Trommeln und anderen Instrumenten versuchen zwei Gegner, sich mit angedeuteten oder ausgeführten Tritten, Drehungen und Sprüngen gegenseitig zu übertreffen. Ein sehenswertes Spektakel!

Nicht minder spektakulär ist der Strand von Rio. Da läuft für mich die größte Show der Welt. Alle, aber auch alle Frauen tragen den winzigsten Bikini, den es gibt, und es ist egal, ob sie eine Gisele-Bündchen-Figur hat oder dick ist. Das interessiert hier niemanden. Weder den Superreichen noch den völlig Mittellosen. Beide sitzen nebeneinander im Sand und genießen die Sonne und das Meer. Hier zählt Lachen mehr als ein teures Outfit. Ich selbst trage natürlich auch eines dieser winzigen Modelle. Und merke, wie ich mich anders bewege. Im Sand zu laufen ist einfach sinnlich. Die Hüften schwingen von ganz alleine mit. Einmal war ich mit meinem Mann Willy morgens joggen und brauchte danach unbedingt etwas zu trinken. Also wollte ich mir an einem Stand eine Kokosnussmilch holen und merkte, dass wir kein Geld dabei hatten. Der Verkäufer gab mir die Milch trotzdem und meinte, ich könne ihm das Geld doch morgen bringen. So ist Rio! So ist die Mentalität der Menschen. 

Übrigens ist Joggen, Radfahren oder Skaten in Rio so selbstverständlich wie Samba tanzen. Wir Cariocas können nicht stillsitzen. Sonntags ist sogar ein Teil der sonst stark befahrenen Uferstraße gesperrt und nur für Sport-Freaks reserviert. Im Mai beginnt der Herbst, dann ist es nicht mehr so heiß. Manchmal bin ich auch im August in Rio. Dann sehe ich kleine Nebelschwaden morgens am Strand. In den Bergen dagegen kann es richtig kalt und vor allem sehr feucht werden. Ich kenne dieses Gefühl noch als Teenager. Eigentlich lebte ich mit meiner Mutter in Rio, aber wir hatten ein Haus in Teresopolis, etwa 90 Kilometer entfernt. Wenn ich etwas angestellt hatte, musste ich in die Verbannung nach Teresopolis in das Gebiet der Serra dos Orgãos. Diesen Ort nennt man auch das Bergjuwel Brasiliens. Riesige, spitze Granitfelsen ragen in den Himmel. Der berühmteste von ihnen heißt Dedo de Deus (Zeigefinger Gottes), er ist etwa 1700 Meter hoch. Hier oben herrscht eine ganz verrückte Atmosphäre. Wie in einem Skiort. Es gibt ein Restaurant, das "Alpina" heißt. Dort serviert man den Gästen Himbeergeist und Eisbein mit Sauerkraut.

Später dann sind wir ganz nach Teresopolis gezogen, weil es meiner Mutter in Rio einfach zu hektisch wurde. Das Gebiet rund um den Ort ist ein riesiger Naturpark mit wunderschönen Wasserfällen. Im Sommer stellt man sich darunter und lässt sich reinwaschen von schlechten Gedanken. Das ist ein alter Brauch. Zu meinen Lieblingsplätzen gehört auch noch Buzios. Diese kleine Halbinsel nordöstlich von Rio ragt 15 Kilometer in den Atlantik hinein. Hier herrscht ein so trockenes Klima, dass sogar Kakteen wachsen. Buzios wurde in den 60er-Jahren berühmt, als sich Brigitte Bardot am Strand sonnte. Seitdem ist dieser Fischerort richtig hipp. Aber die Brasilianer haben es geschafft, sich den dörflichen Charme zu erhalten. Hier findet man eine Menge kleiner, gemütlicher Pousadas (Herbergen), witzige Cafés und Mode-Boutiquen. Viele Brasilianer machen hier richtig Urlaub. Abends sitzt man in Strand-Restaurants, isst Churrasco (gegrilltes Fleisch) und nippt an seinem Caipirinha.

Der allerdings lässt sich nicht mit dem deutschen vergleichen. In Brasilien bekommt man nur ein kleines Glas, es ist voll von frischen, richtig ausgequetschten Limonen und ein wenig Cachacca, und man wird gefragt, ob man ihn mit oder ohne Zucker trinken will. Ich liebe Buzios, aber nach ein paar Tagen muss ich wieder nach Rio. Ich bin eben ein City-Girl. Dort gehe ich zum Abschluss immer mit Freunden auf viele Partys. Wenn ich dann wieder in München bin, denke ich manchmal, dass hier mein Zentrum, mein Ort der Ruhe ist. Alles ist so strukturiert, so sauber, so ordentlich. Ich brauche kein Kloster in Asien. Ich muss nur einmal von Rio nach Deutschland fliegen.

Autorin:
Sonîa Bogner (Modedesignerin)

Das Brasil-Treff Team bedankt sich herzlich bei Sonîa Bogner für diesen wunderbar geschriebenen Text über Brasilien.
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